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Nicht MWST-pflichtig? Rechnung schreiben unter CHF 100'000

Unter CHF 100'000 Umsatz bist du in der Schweiz nicht MWST-pflichtig. Was dann auf die Rechnung gehört, welcher Hinweis Pflicht ist und was teuer wird.

schraub.ch Team Aktualisiert am
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«Kleinunternehmer» ist ein Begriff, den viele aus Deutschland mitbringen — in der Schweiz gibt es ihn so nicht. Was es gibt, ist die Befreiung von der MWST-Pflicht, solange dein Umsatz unter der Schwelle bleibt. Praktisch läuft es aufs Gleiche hinaus: Du darfst ohne Mehrwertsteuer fakturieren. Hier steht, wer darunterfällt, was «nicht mehrwertsteuerpflichtig» auf der Rechnung bedeutet und wo der Unterschied zur deutschen Kleinunternehmerregelung liegt.

Es gibt keine Schweizer «Kleinunternehmerregelung»

Deutschland kennt mit § 19 UStG einen eigenen Status für Kleinunternehmer. Die Schweiz nicht. Hier zählt nur eine Zahl: der Jahresumsatz. Wer innerhalb eines Jahres im In- und Ausland weniger als CHF 100’000 Umsatz aus Leistungen erzielt, die nicht von der Steuer ausgenommen sind, ist von der MWST-Pflicht befreit (MWSTG Art. 10 Abs. 2 lit. a). Gezählt wird der Umsatz ohne Steuer, nicht der Gewinn. Kein Antrag, keine Registrierung, kein Sonderstatus — die Befreiung gilt automatisch.

Das betrifft viele freie Garagen im Nebenerwerb, Einzelfirmen und Betriebe, die gerade erst starten. Ehrenamtlich geführte, nicht gewinnstrebige Sport- und Kulturvereine sowie gemeinnützige Organisationen haben eine höhere Grenze (CHF 250’000), das ist hier aber nicht das Thema.

Was «nicht mehrwertsteuerpflichtig» auf der Rechnung heisst

Befreit heisst zweierlei:

  • Du verrechnest keine MWST und weist auch keine aus.
  • Du kannst im Gegenzug keine Vorsteuer auf deinen Einkäufen abziehen.

Für einen kleinen Betrieb mit wenig Materialeinkauf ist das oft die einfachere Variante — du sparst dir die Abrechnung mit der Eidgenössischen Steuerverwaltung komplett. Was trotzdem auf jede Rechnung gehört, mit ausgefülltem Muster, steht im Ratgeber Rechnung ohne MWST Schweiz. Die vollständige Checkliste mit und ohne MWST liefert der Beitrag Rechnung Pflichtangaben Schweiz.

Der teure Fehler: MWST trotzdem ausweisen

Wer nicht pflichtig ist und trotzdem eine MWST-Zeile oder «inkl. 8.1% MWST» auf die Rechnung schreibt, schuldet die ausgewiesene Steuer der ESTV (Art. 27 Abs. 2 MWSTG), auch ohne Pflicht. Die UID (CHE-…) selbst darfst du angeben, wenn dein Betrieb eine hat. Tabu ist der Zusatz «MWST» hinter der Nummer: Er zeigt eine MWST-Registrierung an, die du nicht hast.

Setz stattdessen einen kurzen, ehrlichen Vermerk: «Nicht mehrwertsteuerpflichtig (Art. 10 Abs. 2 MWSTG)». Das spart Geschäftskunden beim Verbuchen die Rückfrage.

Freiwillig anmelden — wann das Sinn ergibt

Du darfst auch freiwillig auf die Befreiung verzichten (Art. 11 MWSTG), obwohl du unter der Grenze bist, und zwar für mindestens eine Steuerperiode. Das lohnt sich vor allem, wenn du hohe Investitionen mit Vorsteuer hast (Hebebühne, Werkstatteinrichtung) oder fast nur an MWST-pflichtige Geschäftskunden fakturierst, die den Abzug ohnehin machen. Für die meisten kleinen Garagen im Privatkundengeschäft ist die Befreiung aber der bequemere Weg.

Wenn du über CHF 100’000 kommst

Die Befreiung endet, sobald dein Umsatz im letzten Geschäftsjahr die Grenze erreicht hat. Wer neu startet oder ausbaut, wird schon früher pflichtig, wenn absehbar ist, dass die Grenze innerhalb von 12 Monaten überschritten wird (Art. 14 Abs. 3 MWSTG). Dann meldest du dich bei der ESTV an. Ab dann weist du MWST aus (2026: 8.1 % Normalsatz), darfst Vorsteuer abziehen und erhältst die MWST-Nummer (CHE-…-… MWST). Gute Werkstatt-Software lässt dich pro Rechnung entscheiden, ob MWST erscheint — so legst du beim Wechsel nur einen Schalter um.

Fazit

In der Schweiz gibt es keinen Kleinunternehmer-Status, sondern die Umsatzgrenze von CHF 100’000. Darunter fakturierst du legal ohne MWST: ohne Steuerzeile, ohne MWST-Zusatz, mit klarem Hinweis. Pflichtangaben, Muster und QR-Logik findest du im Ratgeber Rechnung ohne MWST Schweiz. Fährst du dein Geschäftsauto auch privat, hilft das Fahrtenbuch mit kostenloser Vorlage beim Nachweis des Privatanteils.

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Kein Steuer- oder Rechtsberatungsersatz. Im Zweifel die Eidgenössische Steuerverwaltung (ESTV) oder deine Treuhandstelle fragen.